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Montag, 9. März 2015
CIA und Ecstasy in Halle
annette riemer, 20:36h
Drei Mal pro Semester sickert die Studentenzeitschrift hastuzeit von den diversen Instituten der Martin-Luther-Universität über die Cafés in der Kleinen Ulrichstraße, die Landesbibliothek und die Toiletten der Musikbibliothek zu den braven Hallensern durch, die so erfahren können, was die akademische „Jugend von heute“ so umtreibt. Und das ist ziemlich überraschend.
Gleich mehrere Beiträge widmen sich der studentischen Politikverdrossenheit. Selbstkritik? Nein, der Ton ist nicht geißelnd oder beschämt, sondern einfach nur jammernd, wenn die verschiedenen Institutsgruppen, die „Hochschuldemokratie“ und UNICEF-Arbeitsgruppen vorgestellt werden. Ebenso weinerlich geht es über zu den Themen sexuelle Belästigung (die übrigens nur unter Strafe steht, wenn sie von Studenten ausgeht), Leistungsdruck, Medikamentensucht und Autismus, „die unsichtbare Behinderung“.
Besonders schlimm wird es, wenn die Leute von der Zeitschrift ihren kulturellen Anspruch abarbeiten. Da darf ein Musiker einer Krautrockband, die keiner kennt, in Unkrautdeutsch über die zu niedrigen Eintrittspreise der Konzerte in Halle klagen, und die nächste Premiere am Theater wird – offensichtlich mit Blick auf auch zukünftig kostenfreie Pressekarten – aalglatt über den Kamm gelobt: „Rammstein trifft Michael Ende“ – mit dieser zu unglaublich breiten Grätsche dürften so ziemlich alle potentiellen Leser zufrieden sein.
So richtig übel kleinkariert schreibt und skandiert die hastuzeit aber, wenn sie sich um Zeitkritik und Weltoffenheit bemüht. Während alle Welt gen Osten schaut, sei es wegen dem Krieg in der Ukraine oder der (nicht mehr ganz so) neuen Hinterzimmerdroge Crystal Meth, berichten in der hastuzeit Studenten von ihren verträumten Auslandssemestern in England und die Daheimgebliebenen staunen seitenlang über das (nur noch ihr) unbekannte Wunder „Ecstasy und Tanzen in der Disko“.
Zuletzt wird der eigene Anspruch in die Tonne getreten. Nach der Empörung über die Unkündbarkeit eines Dozenten, der irgendwie zu aufdringlich geworden ist – also darüber, dass die Frau an der Uni von manchen nur als Fickvieh betrachtet wird – werden die Kochkurse vom Studentenwerk angepriesen, dazu eine (hoffentlich fiktive) WG-Mitbewohnerin namens Wilma für ihre Häuslichkeit gewürdigt und ein Lob auf den studentischen Schrebergarten angestimmt – illustriert von einer Sojaschlampe inklusive Dutt und obligatorischem Bio-Apfel in der Kralle. Was für ein Frauenbild habt ihr denn, möchte man glatt die mehrheitlich weiblichen Redakteure anschreien.
Aber noch interessanter zu wissen wäre wohl, wie jemand die angebliche politische Gleichgültigkeit der Studenten anklagen und zugleich völlig unkommentiert Bildmaterial verwenden kann, das von einer gewissen „Central Intelligence Agency“ bereitgestellt wird. Klang wahrscheinlich so schön nach Bildungsakademie, diese CIA.
Gleich mehrere Beiträge widmen sich der studentischen Politikverdrossenheit. Selbstkritik? Nein, der Ton ist nicht geißelnd oder beschämt, sondern einfach nur jammernd, wenn die verschiedenen Institutsgruppen, die „Hochschuldemokratie“ und UNICEF-Arbeitsgruppen vorgestellt werden. Ebenso weinerlich geht es über zu den Themen sexuelle Belästigung (die übrigens nur unter Strafe steht, wenn sie von Studenten ausgeht), Leistungsdruck, Medikamentensucht und Autismus, „die unsichtbare Behinderung“.
Besonders schlimm wird es, wenn die Leute von der Zeitschrift ihren kulturellen Anspruch abarbeiten. Da darf ein Musiker einer Krautrockband, die keiner kennt, in Unkrautdeutsch über die zu niedrigen Eintrittspreise der Konzerte in Halle klagen, und die nächste Premiere am Theater wird – offensichtlich mit Blick auf auch zukünftig kostenfreie Pressekarten – aalglatt über den Kamm gelobt: „Rammstein trifft Michael Ende“ – mit dieser zu unglaublich breiten Grätsche dürften so ziemlich alle potentiellen Leser zufrieden sein.
So richtig übel kleinkariert schreibt und skandiert die hastuzeit aber, wenn sie sich um Zeitkritik und Weltoffenheit bemüht. Während alle Welt gen Osten schaut, sei es wegen dem Krieg in der Ukraine oder der (nicht mehr ganz so) neuen Hinterzimmerdroge Crystal Meth, berichten in der hastuzeit Studenten von ihren verträumten Auslandssemestern in England und die Daheimgebliebenen staunen seitenlang über das (nur noch ihr) unbekannte Wunder „Ecstasy und Tanzen in der Disko“.
Zuletzt wird der eigene Anspruch in die Tonne getreten. Nach der Empörung über die Unkündbarkeit eines Dozenten, der irgendwie zu aufdringlich geworden ist – also darüber, dass die Frau an der Uni von manchen nur als Fickvieh betrachtet wird – werden die Kochkurse vom Studentenwerk angepriesen, dazu eine (hoffentlich fiktive) WG-Mitbewohnerin namens Wilma für ihre Häuslichkeit gewürdigt und ein Lob auf den studentischen Schrebergarten angestimmt – illustriert von einer Sojaschlampe inklusive Dutt und obligatorischem Bio-Apfel in der Kralle. Was für ein Frauenbild habt ihr denn, möchte man glatt die mehrheitlich weiblichen Redakteure anschreien.
Aber noch interessanter zu wissen wäre wohl, wie jemand die angebliche politische Gleichgültigkeit der Studenten anklagen und zugleich völlig unkommentiert Bildmaterial verwenden kann, das von einer gewissen „Central Intelligence Agency“ bereitgestellt wird. Klang wahrscheinlich so schön nach Bildungsakademie, diese CIA.
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