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Mittwoch, 11. März 2015
Halles Elbphilharmonie
annette riemer, 18:56h
"Flut, bitte komm, Flut!"
Silly 1996
Was in Berlin der Flughafen und in Hamburg die Elbphilharmonie sind, ist in Halle der Grimritzer Damm: eine Endlos-Baustelle.
Eigentlich sollte es ja schon nach dem Hochwasser vom Sommer 2013 an den Baustart gehen und das tat es ja auch, doch dann bremsten Landesverwaltung und Gericht Halles elanvollen OB Bernd Wiegand aus.
Aktuell hat das Oberverwaltungsgericht einen Baustopp verhängt, nachdem eine Anwohnerin per Eilverfahren gegen den neuen Damm vorgegangen ist. Irgendwie glaubt sie wohl, dass der alles nur noch schlimmer machen würde. Die einzige Weise (siehe Kassandra) oder zu viel Demokratie an der falschen Stelle?
Im Landesverwaltungsamt dürfte man darüber auf jeden Fall ordentlich mit den Zähnen knirschen. Man kontert einstweilen mit einer Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht.
Und auch die Stadt Halle hat ordentlich zu schwitzen, immerhin ist da ja noch in unmittelbarer Nähe zum Damm die Eissporthalle, über deren weitere Nutzung sich Eigentümer und Betreiber in die Haare bekommen haben. Da dürfte noch einiges zu schlichten und zu klären sein. Vielleicht täte es auch einfach eine neue Flut ...
Immerhin zeichnet sich ein kleiner Hoffnungsschimmer für den Festplatz am Damm (Warum zum Henker muss aber auch alles direkt an der Saale sein, verdammt!?) ab: Die Stadt hat beim Land Fördermittel beantragt, um diese vom Hochwasser schwer in Mitleidenschaft gezogene Ecke wieder in Schuss zu kriegen.
Silly 1996
Was in Berlin der Flughafen und in Hamburg die Elbphilharmonie sind, ist in Halle der Grimritzer Damm: eine Endlos-Baustelle.
Eigentlich sollte es ja schon nach dem Hochwasser vom Sommer 2013 an den Baustart gehen und das tat es ja auch, doch dann bremsten Landesverwaltung und Gericht Halles elanvollen OB Bernd Wiegand aus.
Aktuell hat das Oberverwaltungsgericht einen Baustopp verhängt, nachdem eine Anwohnerin per Eilverfahren gegen den neuen Damm vorgegangen ist. Irgendwie glaubt sie wohl, dass der alles nur noch schlimmer machen würde. Die einzige Weise (siehe Kassandra) oder zu viel Demokratie an der falschen Stelle?
Im Landesverwaltungsamt dürfte man darüber auf jeden Fall ordentlich mit den Zähnen knirschen. Man kontert einstweilen mit einer Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht.
Und auch die Stadt Halle hat ordentlich zu schwitzen, immerhin ist da ja noch in unmittelbarer Nähe zum Damm die Eissporthalle, über deren weitere Nutzung sich Eigentümer und Betreiber in die Haare bekommen haben. Da dürfte noch einiges zu schlichten und zu klären sein. Vielleicht täte es auch einfach eine neue Flut ...
Immerhin zeichnet sich ein kleiner Hoffnungsschimmer für den Festplatz am Damm (Warum zum Henker muss aber auch alles direkt an der Saale sein, verdammt!?) ab: Die Stadt hat beim Land Fördermittel beantragt, um diese vom Hochwasser schwer in Mitleidenschaft gezogene Ecke wieder in Schuss zu kriegen.
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"So isses, Meinor!"
annette riemer, 13:07h
Die ZEIT entdeckt Halle und macht auf alle kleinen Schönheiten dieser Saalestadt aufmerksam, die eben nicht nur als "eine Art Potemkinsches Dorf" in "gruseliger urbaner Realität" erstarrt ist, wie das Bahnhofsviertel vermuten lassen könnte. Besonders lesenswert ist der Bericht, weil ehrlich: kein blindes Loben, kein satirischer Verriss. Hier kann der Hallenser getrost sagen: "So isses, Meinor!"
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Anhalt an der Krim
annette riemer, 11:14h
Die Problematik klingt denkbar zeitgenössisch: Fachkräftemangel. Nachdem das russische Zarenreich 1792 um das Khanat der Krimtataren und 1812 um das benachbarte Bessarabien (größtenteils das Gebiet des heutigen Moldawiens) erweitert worden war, plante vor allem Zar Nikolaus I. (1796–1855) eine wirtschaftliche Belebung der nun russischen Ukraine. Allerdings bestand diese Gegend nur im Westen und auf der Krim-Halbinsel aus fruchtbaren Böden, der Rest des Landes aber war trockene Steppe. Ein Land, das höchstens zur Viehzucht taugt und, wenn überhaupt, dann von Fachkräften bewirtschaftet werden müsste – Fachkräften, über die der Zar nicht verfügte. Also warb er um professionelle Viehzüchter aus Sachsen.
Im Dresdener Kurfürstentum stießen die Offerten des Russen jedoch auf keine große Resonanz. Umso mehr konnte sich Herzog Ferdinand Friedrich von Anhalt-Köthen (1769–1830) für das Unterfangen begeistern: Gerade im zu Köthen gehörenden Nienburg war die Schafzucht weit gediehen, allerdings mangelte es dem kleinen Herzogtum an ausreichend Weidefläche. Entsprechend interessant erschien Ferdinand Friedrich die Aussicht auf eine Kolonie nahe der Krim. Bis 1828 zogen sich die Verhandlungen hin, dann aber wurde Anhalt-Köthen eine Fläche von mehr als 48.000 Hektar Land in der heutigen Ukraine vertraglich zugesprochen. Im Gegenzug verpflichtete sich der Köthener, im Verlauf der nächsten zehn Jahre einhundert Siedler und 20.000 Schafe nach Südrussland zu bringen. Zwar sollte die nun Köthener Steppe zunächst nur zum Teil der Schafzucht dienen, doch das rentable Geschäft mit der Wolle und vor allem der unerwartet trockene Boden beförderten bald eine zunehmende Konzentration auf die Haltung von Schafen.
Die anhaltinische Kolonie, etwa hundert Kilometer nördlich der Krim gelegen, erhielt den Namen Askania-Nowa. Neben dem gleichnamigen Dorf befanden sich in ihr zehn Vorwerke, die unerlässlich für die logistische Durchführung der Schafhaltung waren und durchweg nach verschiedenen Mitgliedern des Köthener Herzoghaus benannt wurden. Mit zwei Ausnahmen: Östlich von Askania-Nowa lagen die Vorwerke Dornburg und Nienburg. Namensgebend waren hierbei die beiden Städte an Saale und Elbe, die sich zum damaligen Zeitpunkt in Köthener Besitz befanden. Gerade aus Nienburg (Saale) kamen viele der Schafe – mühselig durch ein den Köthener Kolonisten kaum bekanntes polnisch-russisches Territorium geführt, die fortan in Nienburg (Steppe) große Herden begründen sollten.
In der Blütezeit von Askania-Nowa lebten etwa 240 Siedler in der Kolonie. Die Mehrheit von ihnen verdingte sich als Schäfer, aber auch Tischler und Zimmerleute, Schuh- und Tuchmacher, Schmiede, Schneider und Sattler wirkten in dem Dorf und seinen Vorwerken. Auch ein Gasthof, ein Kolonialwarenladen, eine Schule sowie eine kleine Apotheke befanden sich in Askania-Nowa.
Doch die Kolonie entwickelte sich nie zu dem erhofften wirtschaftlichen Vorzeigeunternehmen. Rein baulich wirkten besonders die Vorwerke schäbig. In dem Hauptdorf selbst legte der Herzog noch Wert auf eine repräsentative Architektur. Der Holzmangel in der Steppe führte jedoch dazu, dass Nienburg und die übrigen Vorwerke größtenteils aus den Planken günstig aufgekaufter, abgewrackter Schiffe errichtet wurden. Akuter Wassermangel, das dornige, die Schafe oft tödlich verletzende Steppengras und Heuschreckenplagen gefährdeten den Aufschwung nachhaltig. Als die Preise auf dem Wollmarkt fielen und Askania-Nowa im Zuge des Krimkrieges 1854 verwüstet wurde, zog Herzog Leopold IV. Friedrich (1794–1871) von Anhalt-Dessau, der die 1847 ausgestorbene Köthener Linie beerbt hatte, einen Schlussstrich: Für 525.000 Taler verkaufte er Askania-Nowa an einen deutsch-russischen Adligen. Bis dahin hatte Anhalt 1.166.715 Taler in seine Kolonie investiert – und nur 290.501 Taler Gewinn aus ihr erwirtschaftet. Ein finanziell geradezu desaströses koloniales Abenteuer der anhaltinischen Herzöge, an dem neben dem Köthener und Dessauer auch der Bernburger Hof zumindest indirekt durch die Nachlassregelungen zu Anhalt-Köthen beteiligt war. Askania-Nowa blieb das einzige Kolonisations-Projekt der Anhaltiner.
Im Dresdener Kurfürstentum stießen die Offerten des Russen jedoch auf keine große Resonanz. Umso mehr konnte sich Herzog Ferdinand Friedrich von Anhalt-Köthen (1769–1830) für das Unterfangen begeistern: Gerade im zu Köthen gehörenden Nienburg war die Schafzucht weit gediehen, allerdings mangelte es dem kleinen Herzogtum an ausreichend Weidefläche. Entsprechend interessant erschien Ferdinand Friedrich die Aussicht auf eine Kolonie nahe der Krim. Bis 1828 zogen sich die Verhandlungen hin, dann aber wurde Anhalt-Köthen eine Fläche von mehr als 48.000 Hektar Land in der heutigen Ukraine vertraglich zugesprochen. Im Gegenzug verpflichtete sich der Köthener, im Verlauf der nächsten zehn Jahre einhundert Siedler und 20.000 Schafe nach Südrussland zu bringen. Zwar sollte die nun Köthener Steppe zunächst nur zum Teil der Schafzucht dienen, doch das rentable Geschäft mit der Wolle und vor allem der unerwartet trockene Boden beförderten bald eine zunehmende Konzentration auf die Haltung von Schafen.
Die anhaltinische Kolonie, etwa hundert Kilometer nördlich der Krim gelegen, erhielt den Namen Askania-Nowa. Neben dem gleichnamigen Dorf befanden sich in ihr zehn Vorwerke, die unerlässlich für die logistische Durchführung der Schafhaltung waren und durchweg nach verschiedenen Mitgliedern des Köthener Herzoghaus benannt wurden. Mit zwei Ausnahmen: Östlich von Askania-Nowa lagen die Vorwerke Dornburg und Nienburg. Namensgebend waren hierbei die beiden Städte an Saale und Elbe, die sich zum damaligen Zeitpunkt in Köthener Besitz befanden. Gerade aus Nienburg (Saale) kamen viele der Schafe – mühselig durch ein den Köthener Kolonisten kaum bekanntes polnisch-russisches Territorium geführt, die fortan in Nienburg (Steppe) große Herden begründen sollten.
In der Blütezeit von Askania-Nowa lebten etwa 240 Siedler in der Kolonie. Die Mehrheit von ihnen verdingte sich als Schäfer, aber auch Tischler und Zimmerleute, Schuh- und Tuchmacher, Schmiede, Schneider und Sattler wirkten in dem Dorf und seinen Vorwerken. Auch ein Gasthof, ein Kolonialwarenladen, eine Schule sowie eine kleine Apotheke befanden sich in Askania-Nowa.
Doch die Kolonie entwickelte sich nie zu dem erhofften wirtschaftlichen Vorzeigeunternehmen. Rein baulich wirkten besonders die Vorwerke schäbig. In dem Hauptdorf selbst legte der Herzog noch Wert auf eine repräsentative Architektur. Der Holzmangel in der Steppe führte jedoch dazu, dass Nienburg und die übrigen Vorwerke größtenteils aus den Planken günstig aufgekaufter, abgewrackter Schiffe errichtet wurden. Akuter Wassermangel, das dornige, die Schafe oft tödlich verletzende Steppengras und Heuschreckenplagen gefährdeten den Aufschwung nachhaltig. Als die Preise auf dem Wollmarkt fielen und Askania-Nowa im Zuge des Krimkrieges 1854 verwüstet wurde, zog Herzog Leopold IV. Friedrich (1794–1871) von Anhalt-Dessau, der die 1847 ausgestorbene Köthener Linie beerbt hatte, einen Schlussstrich: Für 525.000 Taler verkaufte er Askania-Nowa an einen deutsch-russischen Adligen. Bis dahin hatte Anhalt 1.166.715 Taler in seine Kolonie investiert – und nur 290.501 Taler Gewinn aus ihr erwirtschaftet. Ein finanziell geradezu desaströses koloniales Abenteuer der anhaltinischen Herzöge, an dem neben dem Köthener und Dessauer auch der Bernburger Hof zumindest indirekt durch die Nachlassregelungen zu Anhalt-Köthen beteiligt war. Askania-Nowa blieb das einzige Kolonisations-Projekt der Anhaltiner.
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