Silly 1996
Was in Berlin der Flughafen und in Hamburg die Elbphilharmonie sind, ist in Halle der Grimritzer Damm: eine Endlos-Baustelle.
Eigentlich sollte es ja schon nach dem Hochwasser vom Sommer 2013 an den Baustart gehen und das tat es ja auch, doch dann bremsten Landesverwaltung und Gericht Halles elanvollen OB Bernd Wiegand aus.
Aktuell hat das Oberverwaltungsgericht einen Baustopp verhängt, nachdem eine Anwohnerin per Eilverfahren gegen den neuen Damm vorgegangen ist. Irgendwie glaubt sie wohl, dass der alles nur noch schlimmer machen würde. Die einzige Weise (siehe Kassandra) oder zu viel Demokratie an der falschen Stelle?
Im Landesverwaltungsamt dürfte man darüber auf jeden Fall ordentlich mit den Zähnen knirschen. Man kontert einstweilen mit einer Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht.
Und auch die Stadt Halle hat ordentlich zu schwitzen, immerhin ist da ja noch in unmittelbarer Nähe zum Damm die Eissporthalle, über deren weitere Nutzung sich Eigentümer und Betreiber in die Haare bekommen haben. Da dürfte noch einiges zu schlichten und zu klären sein. Vielleicht täte es auch einfach eine neue Flut ...
Immerhin zeichnet sich ein kleiner Hoffnungsschimmer für den Festplatz am Damm (Warum zum Henker muss aber auch alles direkt an der Saale sein, verdammt!?) ab: Die Stadt hat beim Land Fördermittel beantragt, um diese vom Hochwasser schwer in Mitleidenschaft gezogene Ecke wieder in Schuss zu kriegen.
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Im Dresdener Kurfürstentum stießen die Offerten des Russen jedoch auf keine große Resonanz. Umso mehr konnte sich Herzog Ferdinand Friedrich von Anhalt-Köthen (1769–1830) für das Unterfangen begeistern: Gerade im zu Köthen gehörenden Nienburg war die Schafzucht weit gediehen, allerdings mangelte es dem kleinen Herzogtum an ausreichend Weidefläche. Entsprechend interessant erschien Ferdinand Friedrich die Aussicht auf eine Kolonie nahe der Krim. Bis 1828 zogen sich die Verhandlungen hin, dann aber wurde Anhalt-Köthen eine Fläche von mehr als 48.000 Hektar Land in der heutigen Ukraine vertraglich zugesprochen. Im Gegenzug verpflichtete sich der Köthener, im Verlauf der nächsten zehn Jahre einhundert Siedler und 20.000 Schafe nach Südrussland zu bringen. Zwar sollte die nun Köthener Steppe zunächst nur zum Teil der Schafzucht dienen, doch das rentable Geschäft mit der Wolle und vor allem der unerwartet trockene Boden beförderten bald eine zunehmende Konzentration auf die Haltung von Schafen.
Die anhaltinische Kolonie, etwa hundert Kilometer nördlich der Krim gelegen, erhielt den Namen Askania-Nowa. Neben dem gleichnamigen Dorf befanden sich in ihr zehn Vorwerke, die unerlässlich für die logistische Durchführung der Schafhaltung waren und durchweg nach verschiedenen Mitgliedern des Köthener Herzoghaus benannt wurden. Mit zwei Ausnahmen: Östlich von Askania-Nowa lagen die Vorwerke Dornburg und Nienburg. Namensgebend waren hierbei die beiden Städte an Saale und Elbe, die sich zum damaligen Zeitpunkt in Köthener Besitz befanden. Gerade aus Nienburg (Saale) kamen viele der Schafe – mühselig durch ein den Köthener Kolonisten kaum bekanntes polnisch-russisches Territorium geführt, die fortan in Nienburg (Steppe) große Herden begründen sollten.
In der Blütezeit von Askania-Nowa lebten etwa 240 Siedler in der Kolonie. Die Mehrheit von ihnen verdingte sich als Schäfer, aber auch Tischler und Zimmerleute, Schuh- und Tuchmacher, Schmiede, Schneider und Sattler wirkten in dem Dorf und seinen Vorwerken. Auch ein Gasthof, ein Kolonialwarenladen, eine Schule sowie eine kleine Apotheke befanden sich in Askania-Nowa.
Doch die Kolonie entwickelte sich nie zu dem erhofften wirtschaftlichen Vorzeigeunternehmen. Rein baulich wirkten besonders die Vorwerke schäbig. In dem Hauptdorf selbst legte der Herzog noch Wert auf eine repräsentative Architektur. Der Holzmangel in der Steppe führte jedoch dazu, dass Nienburg und die übrigen Vorwerke größtenteils aus den Planken günstig aufgekaufter, abgewrackter Schiffe errichtet wurden. Akuter Wassermangel, das dornige, die Schafe oft tödlich verletzende Steppengras und Heuschreckenplagen gefährdeten den Aufschwung nachhaltig. Als die Preise auf dem Wollmarkt fielen und Askania-Nowa im Zuge des Krimkrieges 1854 verwüstet wurde, zog Herzog Leopold IV. Friedrich (1794–1871) von Anhalt-Dessau, der die 1847 ausgestorbene Köthener Linie beerbt hatte, einen Schlussstrich: Für 525.000 Taler verkaufte er Askania-Nowa an einen deutsch-russischen Adligen. Bis dahin hatte Anhalt 1.166.715 Taler in seine Kolonie investiert – und nur 290.501 Taler Gewinn aus ihr erwirtschaftet. Ein finanziell geradezu desaströses koloniales Abenteuer der anhaltinischen Herzöge, an dem neben dem Köthener und Dessauer auch der Bernburger Hof zumindest indirekt durch die Nachlassregelungen zu Anhalt-Köthen beteiligt war. Askania-Nowa blieb das einzige Kolonisations-Projekt der Anhaltiner.
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In Halle (Saale) wird dem antifaschistischen Widerstandkämpfer Adam Kuckhoff (1887–1943) eine sehr zweifelhafte Würdigung zuteil: Der ihm gewidmete Straßenzug wird von einer Straße durchkreuzt, die nach Emil Abderhalden (1877–1950) benannt ist. Ausgerechnet Abderhalden, der die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina als deren Präsident so wunderbar systemkonform durch das Dritte Reich lotste: Jüdische Mitglieder wurden ausgeschlossen, Rassengenetiker aufgenommen. Schlimm genug, dass an so einen Charakter seit 1953 schon eine Straße in Halle erinnert.
Schlimmer noch, wie wenig Eier der Stadtrat in der Hose hat, wenn es an die längst überfällige Umbenennung der Straße geht: Zwar tun sich die Geistes- und Sozialwissenschaftler der hiesigen Universität, die gerade in ihren neuen Campus Ecke Kuckhoff/Abderhalden-Straße ziehen, schwer damit, diese namentliche Entgleisung vor ihrer Haustür zu dulden. Immerhin ein Mitglied des NS-Lehrerbundes. Wie will man da frei lehren können? Aber die Leopoldina ist immerhin gewichtige Nationale Akademie – und die Leute dort fahren eine geschickte Propagandastrategie: Der Abderhalden sei ja gar kein echter Nazi gewesen, nur so ein – ja, dafür gibt es eigentlich gar keinen Ausdruck. Und außerdm hätten sich die Geisteswissenschaftler nur so zickig, weil Abderhalden ein Naturwissenschaftler war. Der ewige Streit.
Und der Stadtrat? Macht erst mal den Bock zum Gärtner: Die Leopoldina soll doch mal das politische Wirken ihres Präsidenten untersuchen. Bislang ohne Ergebnisse, man setzt wohl auf Zeit. Und an die Universität gibt der Stadtrat zu erkennen, dass der neue Campus ja auch eine eigene Anschrift bekommen könnte. Dann bliebe alles beim Alten. Mit Abderhalden.
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Ausgestrahlt wird Zorn. Vom Lieben und Sterben am 16. April in der ARD. Darin in Szene gesetzt ist u.a. das Nordbad von Halle. Erinnert entfernt an Zorn. Tod und Regen, worin die Kommissare im Stadtbad ihre Bahnen ziehen. Und auch die Masche, jemanden durch ein über die Fahrbahn gespanntes Drahtseil zu Fall (und zu Tode) zu bringen, ist eher ein Klassiker in der Kriminalliteratur als wirklich innovativ. Immerhin wartet der neue Zorn mit einem neuen Hauptdarsteller auf. Für Abwechslung ist also zumindest etwas gesorgt.
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Gleich mehrere Beiträge widmen sich der studentischen Politikverdrossenheit. Selbstkritik? Nein, der Ton ist nicht geißelnd oder beschämt, sondern einfach nur jammernd, wenn die verschiedenen Institutsgruppen, die „Hochschuldemokratie“ und UNICEF-Arbeitsgruppen vorgestellt werden. Ebenso weinerlich geht es über zu den Themen sexuelle Belästigung (die übrigens nur unter Strafe steht, wenn sie von Studenten ausgeht), Leistungsdruck, Medikamentensucht und Autismus, „die unsichtbare Behinderung“.
Besonders schlimm wird es, wenn die Leute von der Zeitschrift ihren kulturellen Anspruch abarbeiten. Da darf ein Musiker einer Krautrockband, die keiner kennt, in Unkrautdeutsch über die zu niedrigen Eintrittspreise der Konzerte in Halle klagen, und die nächste Premiere am Theater wird – offensichtlich mit Blick auf auch zukünftig kostenfreie Pressekarten – aalglatt über den Kamm gelobt: „Rammstein trifft Michael Ende“ – mit dieser zu unglaublich breiten Grätsche dürften so ziemlich alle potentiellen Leser zufrieden sein.
So richtig übel kleinkariert schreibt und skandiert die hastuzeit aber, wenn sie sich um Zeitkritik und Weltoffenheit bemüht. Während alle Welt gen Osten schaut, sei es wegen dem Krieg in der Ukraine oder der (nicht mehr ganz so) neuen Hinterzimmerdroge Crystal Meth, berichten in der hastuzeit Studenten von ihren verträumten Auslandssemestern in England und die Daheimgebliebenen staunen seitenlang über das (nur noch ihr) unbekannte Wunder „Ecstasy und Tanzen in der Disko“.
Zuletzt wird der eigene Anspruch in die Tonne getreten. Nach der Empörung über die Unkündbarkeit eines Dozenten, der irgendwie zu aufdringlich geworden ist – also darüber, dass die Frau an der Uni von manchen nur als Fickvieh betrachtet wird – werden die Kochkurse vom Studentenwerk angepriesen, dazu eine (hoffentlich fiktive) WG-Mitbewohnerin namens Wilma für ihre Häuslichkeit gewürdigt und ein Lob auf den studentischen Schrebergarten angestimmt – illustriert von einer Sojaschlampe inklusive Dutt und obligatorischem Bio-Apfel in der Kralle. Was für ein Frauenbild habt ihr denn, möchte man glatt die mehrheitlich weiblichen Redakteure anschreien.
Aber noch interessanter zu wissen wäre wohl, wie jemand die angebliche politische Gleichgültigkeit der Studenten anklagen und zugleich völlig unkommentiert Bildmaterial verwenden kann, das von einer gewissen „Central Intelligence Agency“ bereitgestellt wird. Klang wahrscheinlich so schön nach Bildungsakademie, diese CIA.
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