Montag, 9. März 2015
Krieg und Frieden um Kiew in Merseburg
annette riemer, 20:38h
Das Verhältnis zwischen Heinrich II. (973/978–1024) und Bolesław I. (um 965–1025) war kein einfaches. Der polnische Herzog hätte viel lieber seinen Halbbruder, Ekkehard von Meißen, auf dem deutschen Königsthron gesehen. Doch dieser war 1002 kurz vor der entscheidenden Wahl unter dubiosen Umständen ermordet worden. Statt seiner wurde Heinrich II. zum König gewählt, wenn auch mit recht unlauteren Mitteln: Einige Adlige wurden bestochen, andere von der Wahl ausgeschlossen – gut möglich, dass Heinrich II. auch seinen Mitbewerber Ekkehard aus dem Weg schaffen lassen hat.
Im Sommer 1002 trafen der deutsche König und der polnische Herzog erstmals zum Hoftag in Merseburg zusammen. Der erst kürzlich gekrönte Heinrich wollte hier vor den versammelten Adligen Sachsens, die zum großen Teil gegen ihn eingestellt waren, Stärke demonstrieren. Bolesław hingegen wollte das Erbe seines Halbbruders, die Markgrafschaft Meißen, mit Polen vereinen und beabsichtigte, hierfür die Zustimmung Heinrichs zu erlangen. Dieser dachte jedoch nicht im Traum daran, seinem Konkurrenten Bolesław einen Machtzuwachs zu verschaffen, noch dazu vor den Augen der sowieso schon kritisch eingestellten Sachsenfürsten. Der Pole beharrte dennoch auf seine vermeintlichen Erbrechte und so eskalierten schließlich die Verhandlungen: Der Herzog zog sich empört aus Merseburg zurück – und entkam auf der Heimreise, kaum hatte er die Stadt verlassen, nur knapp einem Attentat, hinter dem er Heinrich vermutete.
In den folgenden Jahren mobilisierte Bolesław seine weitverzweigte Verwandtschaft und baute ein militärisches Bündnis gegen den deutschen König auf, dem sich neben Polen und der Lausitz auch Dänemark und die Markgrafschaft Schweinfurt anschlossen. Doch weder Heinrich noch Bolesław konnten in den zahlreichen Scharmützeln, die sie gegeneinander ausfochten, eine Entscheidung herbeiführen. Und so zwang sie die militärische Patt-Situation letztendlich wieder an den Verhandlungstisch: Zu Pfingsten 1013 schlossen Heinrich und Bolesław in der Saalestadt den berühmten Merseburger Frieden, durch den die Lausitz als königliches Lehen an Polen fiel. Der Frieden wurde mit einer Ehe zwischen Bolesławs Sohn Mieszko und Richeza, einer Verwandten des deutschen Königs, besiegelt.
Dennoch kamen Heinrich und Bolesław dauerhaft nicht überein. Schon zwei Jahre nach dem Friedensschluss bekriegten sie sich erneut, diesmal stritten sie um Einfluss im Großfürstentum Kiew. Nach langen Jahren des Krieges ging Bolesław als Sieger aus dem Konflikt hervor: Der Friedensschluss von Bautzen 1018 erneuerte den einstigen Merseburger Frieden und ermöglichte es Bolesław, seine Macht auf Kiew und Meißen auszudehnen, wodurch er zum größten Herrscher Osteuropas wurde – und nach seiner Krönung 1025 zum ersten König Polens. Diesen Aufstieg seines ärgsten Konkurrenten erlebte Heinrich allerdings nicht mehr. Er verstarb im Jahr 1024, nachdem er bis zuletzt bei dem Papst Benedikt XIII. und seinem Nachfolger gegen die Krönung Bolesławs interveniert hatte.
Nach dem Tod des Polenkönigs gelang seinem Sohn Mieszko in gewisser Weise ein politischer Ausgleich, der dem Vater unmöglich gewesen war: Mit seiner deutschen Gattin Richeza führte Mieszko die Herrscherfamilie der Piasten fort, die Polen für Jahrhunderte beherrschen sollte.
Im Sommer 1002 trafen der deutsche König und der polnische Herzog erstmals zum Hoftag in Merseburg zusammen. Der erst kürzlich gekrönte Heinrich wollte hier vor den versammelten Adligen Sachsens, die zum großen Teil gegen ihn eingestellt waren, Stärke demonstrieren. Bolesław hingegen wollte das Erbe seines Halbbruders, die Markgrafschaft Meißen, mit Polen vereinen und beabsichtigte, hierfür die Zustimmung Heinrichs zu erlangen. Dieser dachte jedoch nicht im Traum daran, seinem Konkurrenten Bolesław einen Machtzuwachs zu verschaffen, noch dazu vor den Augen der sowieso schon kritisch eingestellten Sachsenfürsten. Der Pole beharrte dennoch auf seine vermeintlichen Erbrechte und so eskalierten schließlich die Verhandlungen: Der Herzog zog sich empört aus Merseburg zurück – und entkam auf der Heimreise, kaum hatte er die Stadt verlassen, nur knapp einem Attentat, hinter dem er Heinrich vermutete.
In den folgenden Jahren mobilisierte Bolesław seine weitverzweigte Verwandtschaft und baute ein militärisches Bündnis gegen den deutschen König auf, dem sich neben Polen und der Lausitz auch Dänemark und die Markgrafschaft Schweinfurt anschlossen. Doch weder Heinrich noch Bolesław konnten in den zahlreichen Scharmützeln, die sie gegeneinander ausfochten, eine Entscheidung herbeiführen. Und so zwang sie die militärische Patt-Situation letztendlich wieder an den Verhandlungstisch: Zu Pfingsten 1013 schlossen Heinrich und Bolesław in der Saalestadt den berühmten Merseburger Frieden, durch den die Lausitz als königliches Lehen an Polen fiel. Der Frieden wurde mit einer Ehe zwischen Bolesławs Sohn Mieszko und Richeza, einer Verwandten des deutschen Königs, besiegelt.
Dennoch kamen Heinrich und Bolesław dauerhaft nicht überein. Schon zwei Jahre nach dem Friedensschluss bekriegten sie sich erneut, diesmal stritten sie um Einfluss im Großfürstentum Kiew. Nach langen Jahren des Krieges ging Bolesław als Sieger aus dem Konflikt hervor: Der Friedensschluss von Bautzen 1018 erneuerte den einstigen Merseburger Frieden und ermöglichte es Bolesław, seine Macht auf Kiew und Meißen auszudehnen, wodurch er zum größten Herrscher Osteuropas wurde – und nach seiner Krönung 1025 zum ersten König Polens. Diesen Aufstieg seines ärgsten Konkurrenten erlebte Heinrich allerdings nicht mehr. Er verstarb im Jahr 1024, nachdem er bis zuletzt bei dem Papst Benedikt XIII. und seinem Nachfolger gegen die Krönung Bolesławs interveniert hatte.
Nach dem Tod des Polenkönigs gelang seinem Sohn Mieszko in gewisser Weise ein politischer Ausgleich, der dem Vater unmöglich gewesen war: Mit seiner deutschen Gattin Richeza führte Mieszko die Herrscherfamilie der Piasten fort, die Polen für Jahrhunderte beherrschen sollte.
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