Dienstag, 10. März 2015
Ein fauler Kompromiss
annette riemer, 21:48h
Nazi und Widerständler finden in Halle zusammen
In Halle (Saale) wird dem antifaschistischen Widerstandkämpfer Adam Kuckhoff (1887–1943) eine sehr zweifelhafte Würdigung zuteil: Der ihm gewidmete Straßenzug wird von einer Straße durchkreuzt, die nach Emil Abderhalden (1877–1950) benannt ist. Ausgerechnet Abderhalden, der die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina als deren Präsident so wunderbar systemkonform durch das Dritte Reich lotste: Jüdische Mitglieder wurden ausgeschlossen, Rassengenetiker aufgenommen. Schlimm genug, dass an so einen Charakter seit 1953 schon eine Straße in Halle erinnert.
Schlimmer noch, wie wenig Eier der Stadtrat in der Hose hat, wenn es an die längst überfällige Umbenennung der Straße geht: Zwar tun sich die Geistes- und Sozialwissenschaftler der hiesigen Universität, die gerade in ihren neuen Campus Ecke Kuckhoff/Abderhalden-Straße ziehen, schwer damit, diese namentliche Entgleisung vor ihrer Haustür zu dulden. Immerhin ein Mitglied des NS-Lehrerbundes. Wie will man da frei lehren können? Aber die Leopoldina ist immerhin gewichtige Nationale Akademie – und die Leute dort fahren eine geschickte Propagandastrategie: Der Abderhalden sei ja gar kein echter Nazi gewesen, nur so ein – ja, dafür gibt es eigentlich gar keinen Ausdruck. Und außerdm hätten sich die Geisteswissenschaftler nur so zickig, weil Abderhalden ein Naturwissenschaftler war. Der ewige Streit.
Und der Stadtrat? Macht erst mal den Bock zum Gärtner: Die Leopoldina soll doch mal das politische Wirken ihres Präsidenten untersuchen. Bislang ohne Ergebnisse, man setzt wohl auf Zeit. Und an die Universität gibt der Stadtrat zu erkennen, dass der neue Campus ja auch eine eigene Anschrift bekommen könnte. Dann bliebe alles beim Alten. Mit Abderhalden.
In Halle (Saale) wird dem antifaschistischen Widerstandkämpfer Adam Kuckhoff (1887–1943) eine sehr zweifelhafte Würdigung zuteil: Der ihm gewidmete Straßenzug wird von einer Straße durchkreuzt, die nach Emil Abderhalden (1877–1950) benannt ist. Ausgerechnet Abderhalden, der die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina als deren Präsident so wunderbar systemkonform durch das Dritte Reich lotste: Jüdische Mitglieder wurden ausgeschlossen, Rassengenetiker aufgenommen. Schlimm genug, dass an so einen Charakter seit 1953 schon eine Straße in Halle erinnert.
Schlimmer noch, wie wenig Eier der Stadtrat in der Hose hat, wenn es an die längst überfällige Umbenennung der Straße geht: Zwar tun sich die Geistes- und Sozialwissenschaftler der hiesigen Universität, die gerade in ihren neuen Campus Ecke Kuckhoff/Abderhalden-Straße ziehen, schwer damit, diese namentliche Entgleisung vor ihrer Haustür zu dulden. Immerhin ein Mitglied des NS-Lehrerbundes. Wie will man da frei lehren können? Aber die Leopoldina ist immerhin gewichtige Nationale Akademie – und die Leute dort fahren eine geschickte Propagandastrategie: Der Abderhalden sei ja gar kein echter Nazi gewesen, nur so ein – ja, dafür gibt es eigentlich gar keinen Ausdruck. Und außerdm hätten sich die Geisteswissenschaftler nur so zickig, weil Abderhalden ein Naturwissenschaftler war. Der ewige Streit.
Und der Stadtrat? Macht erst mal den Bock zum Gärtner: Die Leopoldina soll doch mal das politische Wirken ihres Präsidenten untersuchen. Bislang ohne Ergebnisse, man setzt wohl auf Zeit. Und an die Universität gibt der Stadtrat zu erkennen, dass der neue Campus ja auch eine eigene Anschrift bekommen könnte. Dann bliebe alles beim Alten. Mit Abderhalden.
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