Mittwoch, 18. März 2015
Kurze Notiz zu: Stolberg
annette riemer, 15:53h
Durch Stolberg, dem flächenmäßig größten und einzigen namhaften Ortsteil der Gemeinde Südharz im Landkreis Mansfeld-Südharz mit der Gemeindeverwaltung und dem der Staatsanwaltschaft Halle gut bekannten Bürgermeister (Mitarbeiterbespitzelung, mögliche Vorteilsnahme – das Übliche eben) im ebenso nahen wie unbedeutenden Roßla (schleunigst weiterfahren!), durch dieses Stolberg also ist schnell gegangen. Zwei verwinkelte Straßenzüge von überschaubarer Länge schlängeln sich zwischen den Harzbergen hindurch; wo sie sich kreuzen, steht das Rathaus, der Saigerturm und eine gotische Kirche. Drum herum Hotels, Gasthäuser und der Bäcker, weiter in Richtung Ortsausgang die Bibliothek (nur dienstags für drei Stunden offen) und der Fabrikverkauf der FRIWI-Kekse.
Diese Kekse und Thomas Münzer haben Stolberg einst bekannt gemacht. Heute ist der berühmteste Sohn des Dorfes eine in Metall gegossene Touristenattraktion und das Dorf selbst nur noch ein gewöhnlicher, traditionsreicher Luftkurort, das heißt, man genießt hier den Aufenthalt am besten außerhalb des Dorfes, wandert durch die grünen Berge, seufzt romantisch zu manchem Blick ins Tal, und kommt erst mit Einbruch der Dämmerung völlig ausgelatscht nach Stolberg zurück. Dann liegt der Ort erst malerisch in der Abendsonne, dann erlöst das Dunkel der Nacht vom Anblick des ewig gleichen Fachwerks. Dann wird beim Italiener deutsche Küche bestellt, in der Hotelbar ein letztes Bier gezischt und dann unter irgendeiner Dachschräge zum Hauptspielfilm in irgendeinem dritten Programm eingedöst. Die Herztabletten nicht vergessen! Und das Insulin! Und den Revolver! Hier werden pünktlich zur Tagesschau die Bürgersteige hochgeklappt.
Anders als mit der Jugend im Ort sieht es mit der Atmosphäre aus. Die ist tatsächlich da. Im Restaurant: Da isst das Gestern. Auf den Straßen, zwischen all den niedlichen Fachwerkhäusern: Da läuft das Gestern. Auf dem Schloss der ollen Grafen von Stolberg und Stolberg-Stolberg, weit über der Stadt: Da staunt das Gestern über das Vorgestern. Bergbau, Bauernkrieg, Ritterfehde. Eine Statue erinnert an die Gräfin Juliana, die Stammmutter des fernen niederländischen Königshauses. Die Arme wurde trotz Pest und 17 Kindern rekordverdächtige 74 Jahre alt und doch nur als kleines Mädchen in Bronze gegossen (Sparmaßnahme?). Der Blick vom Schloss auf die Ortschaft hinab stimmt nicht besser. Zwar liegen deren Häuser wie so oft in Nebelschwaden gehüllt, doch lassen sich trotzdem ihre Beschränktheit, ihre Abgeschiedenheit, die einstige – nicht nur materielle – Armut ihrer Bewohner ganz gut erahnen. Ein Seufzer, der jetzt nicht mehr romantisch begründet ist. Hier klappert keine Mühle am Bach, klipp-klapp. Hier ist es ganz still.
Nur Nordic-Walking-Stöcke knirschen im Kies.
Diese Kekse und Thomas Münzer haben Stolberg einst bekannt gemacht. Heute ist der berühmteste Sohn des Dorfes eine in Metall gegossene Touristenattraktion und das Dorf selbst nur noch ein gewöhnlicher, traditionsreicher Luftkurort, das heißt, man genießt hier den Aufenthalt am besten außerhalb des Dorfes, wandert durch die grünen Berge, seufzt romantisch zu manchem Blick ins Tal, und kommt erst mit Einbruch der Dämmerung völlig ausgelatscht nach Stolberg zurück. Dann liegt der Ort erst malerisch in der Abendsonne, dann erlöst das Dunkel der Nacht vom Anblick des ewig gleichen Fachwerks. Dann wird beim Italiener deutsche Küche bestellt, in der Hotelbar ein letztes Bier gezischt und dann unter irgendeiner Dachschräge zum Hauptspielfilm in irgendeinem dritten Programm eingedöst. Die Herztabletten nicht vergessen! Und das Insulin! Und den Revolver! Hier werden pünktlich zur Tagesschau die Bürgersteige hochgeklappt.
Anders als mit der Jugend im Ort sieht es mit der Atmosphäre aus. Die ist tatsächlich da. Im Restaurant: Da isst das Gestern. Auf den Straßen, zwischen all den niedlichen Fachwerkhäusern: Da läuft das Gestern. Auf dem Schloss der ollen Grafen von Stolberg und Stolberg-Stolberg, weit über der Stadt: Da staunt das Gestern über das Vorgestern. Bergbau, Bauernkrieg, Ritterfehde. Eine Statue erinnert an die Gräfin Juliana, die Stammmutter des fernen niederländischen Königshauses. Die Arme wurde trotz Pest und 17 Kindern rekordverdächtige 74 Jahre alt und doch nur als kleines Mädchen in Bronze gegossen (Sparmaßnahme?). Der Blick vom Schloss auf die Ortschaft hinab stimmt nicht besser. Zwar liegen deren Häuser wie so oft in Nebelschwaden gehüllt, doch lassen sich trotzdem ihre Beschränktheit, ihre Abgeschiedenheit, die einstige – nicht nur materielle – Armut ihrer Bewohner ganz gut erahnen. Ein Seufzer, der jetzt nicht mehr romantisch begründet ist. Hier klappert keine Mühle am Bach, klipp-klapp. Hier ist es ganz still.
Nur Nordic-Walking-Stöcke knirschen im Kies.
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