Montag, 23. März 2015
Kurze Notiz zu: Schkopau
annette riemer, 21:01h
„Das Bürgerhaus ist kein Aufenthaltsbereich für Schülerinnen und Schüler!“ Äußerst gendergerecht weist ein formloses Schreiben gleich an der Eingangstür des Bürgerhauses das ansässige Jungvolk ab. Die Botschaften dieses kurzen Satzes sind eindeutig:
Nummer eins: Schüler gelten nicht als Bürger, vielleicht weil sie – in Schkopau gibt es so etwas wie Gymnasien und damit Schüler über 16 Jahre nicht – keine Wähler sind.
Nummer zwei: Schüler sollten generell kein Interesse an Lokalpolitik haben und beispielsweise eine öffentliche Gemeinderatssitzung besuchen wollen. Das könnte ihnen am Ende noch ihren Glauben an die menschliche Vernunft austreiben.
Nummer drei: Die Bibliothek der Gemeinde – auch im Bürgerhaus – soll den älteren Anwohnern vorbehalten bleiben, und das mit Erfolg: Tatsächlich könnten bei der Lesung eines Heimatautors in der Bibliothek alle Zuhörer am Eingang Seniorenrabatt bekommen haben.
Aber Schkopau ist ja so viel mehr als sein Bürgerhaus. Geografisch reicht es von der A 38 bis zur A 9 und von der B 6 bis zur B 181, historisch reicht es – zumindest mit Bedeutung – bis zum Beginn des Tagebaus und der chemischen Industrie in Mitteldeutschland zurück. In Schkopau wohnten die Ingenieure, sagt man hier und verweist auf die kleinen Villen, im und am nahen Leuna-Werk die Arbeiter. Heute ist Schkopau ein unscheinbarer Ort, zwischen Merseburg und Halle an der Saale gelegen, der neben dem eigentlichen Dorf elf dörfliche Gemeindeteile umfasst, alle mit ihren kleinen Eigenheiten: In Burgliebenau lässt es sich herrlich in einem ehemaligen Tagebaurestloch baden. In Ermlitz steht ein hübsches Rittergut. Naja, und voller Neid lässt es sich durch Korbetha beim Buna-Werk schlendern. Wegen der allgemeinen Verschmutzung und der Ausgleichszahlungen galt dieses Dorf lange Zeit als reichste Gemeinde im Land, manche sagen sogar: in der Republik. Echte Millionäre sollen hier leben. Im Plural. Ein bisschen davon (wirklich nur ein bisschen: die Ortsbibliothek etwa macht hier nur auf Anfrage auf) lässt sich erahnen: Man leistet sich einen komplett auf 30 km/h beschränkten Verkehr. Aber noch immer riecht die Luft recht süßlich und so drängt sich die Frage auf, ob eine Million, falls es sie wirklich dafür gibt, die im Garten chemisch belüftete Wäsche aufwiegt.
Doch zurück zum Kern der Gemeinde, zu Schkopau selbst: Es ist arm und auch gut dran. Arm, weil es genau zwischen zwei Tarifzonen des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes liegt. Egal, ob jemand von Schkopau nach Halle oder nach Merseburg will, er zahlt also immer für zwei Zonen. Reich, weil hier ein imposantes Schloss steht und dann noch – was sehr selten vorkommt in diesen Breiten – ein restauriertes. Und es wird freier Zutritt gewährt, als wäre der ehemalige Adelssitz, der aktuelle Privatbesitz ein öffentliches Bürgerhaus. Auch für Schülerinnen und Schüler.
Nummer eins: Schüler gelten nicht als Bürger, vielleicht weil sie – in Schkopau gibt es so etwas wie Gymnasien und damit Schüler über 16 Jahre nicht – keine Wähler sind.
Nummer zwei: Schüler sollten generell kein Interesse an Lokalpolitik haben und beispielsweise eine öffentliche Gemeinderatssitzung besuchen wollen. Das könnte ihnen am Ende noch ihren Glauben an die menschliche Vernunft austreiben.
Nummer drei: Die Bibliothek der Gemeinde – auch im Bürgerhaus – soll den älteren Anwohnern vorbehalten bleiben, und das mit Erfolg: Tatsächlich könnten bei der Lesung eines Heimatautors in der Bibliothek alle Zuhörer am Eingang Seniorenrabatt bekommen haben.
Aber Schkopau ist ja so viel mehr als sein Bürgerhaus. Geografisch reicht es von der A 38 bis zur A 9 und von der B 6 bis zur B 181, historisch reicht es – zumindest mit Bedeutung – bis zum Beginn des Tagebaus und der chemischen Industrie in Mitteldeutschland zurück. In Schkopau wohnten die Ingenieure, sagt man hier und verweist auf die kleinen Villen, im und am nahen Leuna-Werk die Arbeiter. Heute ist Schkopau ein unscheinbarer Ort, zwischen Merseburg und Halle an der Saale gelegen, der neben dem eigentlichen Dorf elf dörfliche Gemeindeteile umfasst, alle mit ihren kleinen Eigenheiten: In Burgliebenau lässt es sich herrlich in einem ehemaligen Tagebaurestloch baden. In Ermlitz steht ein hübsches Rittergut. Naja, und voller Neid lässt es sich durch Korbetha beim Buna-Werk schlendern. Wegen der allgemeinen Verschmutzung und der Ausgleichszahlungen galt dieses Dorf lange Zeit als reichste Gemeinde im Land, manche sagen sogar: in der Republik. Echte Millionäre sollen hier leben. Im Plural. Ein bisschen davon (wirklich nur ein bisschen: die Ortsbibliothek etwa macht hier nur auf Anfrage auf) lässt sich erahnen: Man leistet sich einen komplett auf 30 km/h beschränkten Verkehr. Aber noch immer riecht die Luft recht süßlich und so drängt sich die Frage auf, ob eine Million, falls es sie wirklich dafür gibt, die im Garten chemisch belüftete Wäsche aufwiegt.
Doch zurück zum Kern der Gemeinde, zu Schkopau selbst: Es ist arm und auch gut dran. Arm, weil es genau zwischen zwei Tarifzonen des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes liegt. Egal, ob jemand von Schkopau nach Halle oder nach Merseburg will, er zahlt also immer für zwei Zonen. Reich, weil hier ein imposantes Schloss steht und dann noch – was sehr selten vorkommt in diesen Breiten – ein restauriertes. Und es wird freier Zutritt gewährt, als wäre der ehemalige Adelssitz, der aktuelle Privatbesitz ein öffentliches Bürgerhaus. Auch für Schülerinnen und Schüler.
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